Ich war achtunddreißig Jahre alt, schwanger mit meinem ersten Kind und sehr aufgeregt. Die Schwangerschaft war einfach, ohne morgendliche Übelkeit oder anderen Komplikationen.
Ich besuchte regelmäßig Jazzgymnastik, und machte nur Übungen, die ich mit meiner Gynäkologin abgesprochen hatte. Mein Baby sollte in Nashville geboren werden, wo ich mehr als zehn Jahre gelebt hatte. Weil ich über fünfunddreißig Jahre alt war, habe ich mich entschieden im 5. Monat eine Unterschalluntersuchung machen zu lassen. Während dessen hatte ich soviel Angst,daß ich mich nicht traute den Bildschirm anzuschauen.
Erst spät in meiner Schwangerschaft entschied ich mich die Hebammen auf der Farm zu besuchen. Ich fühlte das meine Gynäkologin sich für mich und meinem Mann nicht genügend Zeit nahm, die wir eigentlich bräuchten. Als ich Anfang zwanzig war hatte ich schon einmal mit meinem Vater und meinen Geschwistern auf der Farm gelebt.
Die Art und Weise wie die Hebamme mich betreute, fühlte sich gut an. Ihre Klinik war nicht so modern wie die Praxis meiner Ärztin, aber dieser Ort gab mir ein angenehmes Gefühl. So entschied ich mich für eine Geburt mit den Hebammen. Wegen meines hohen Alters, wußte ich, daß meine Gynäkologin einen Kaiserschnitt machen würde, wenn ich mehr als zwölf Stunden Wehen hätte.
Ich wünschte mir, das Ina May bei meiner Geburt dabei sein könnte. Am Entbindungstermin mußte sie auf einer Hebammenkonferenz einen Vortrag halten und würde erst am 19. Juni wieder zurück sein.
Carol untersuchte mich am 12. Juni und sagte mir mein Muttermund sei ein Zentimeter eröffnet. Am nächsten Tag machte ich einen langen Spaziergang. In der Nacht zum 15. konnte ich nur schwer einschlafen, weil ich die Wehen im Abstand von zehn Minuten spürte. Am nächsten Morgen kam Carol herüber um mich zu untersuchen und sagte, daß mein Muttermund dünner war und nun drei Zentimeter eröffnet ist. Sie empfahl mir weiter herumzugehen und so tat ich es.
In dieser Nacht schlief ich schlecht wegen der Wehen, die jetzt schon intensiver waren. Rick und ich spazierten hinunter zum Bach, wo ich meine Füße eine Weile lang im Wasser hängen ließ. Das tat gut und war sehr entspannend. Ich trank ein Glas Wein um besser einzuschlafen, aber es funktionierte nicht. So schlurfte ich die längste Zeit der Nacht durch unser Haus.
Als Carol mich das nächste Mal untersuchte, gab sie mir gute Neuigkeiten. Mein Muttermund war fünf Zentimeter eröffnet.
Am Morgen des 18. Juni dachte Carol, das meine Wehen einen Anstoß bräuchten. Sie brachte mir Rhizinusöl.
Ich war nahezu sechs Zentimeter eröffnet, aber ich konnte essen, schlafen, (kurze Nickerchen zwischen den Wehen) herumgehen und mit meinem Tagesablauf fortfahren.
Ich hatte Abendbrot im Haus einer Hebamme. Danach blieb Carol in dieser Nacht bei mir und begleitete mich während der Wehen, weil an Schlaf nicht mehr zu denken war.
Ich probierte viele Geburtspositionen, saß für eine Weile auf einem Geburtstuhl, kniete neben dem Bett und stützte mich auf ein Kissen. Ein Seil hing an der Decke an das ich mich hängen konnte. Doch es fiel mir schwer entspannt zu bleiben.
Ich versuchte mich auf meine Atmung zu konzentrieren anstatt auf die starken Schmerzen im Rücken. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich wirklich verstehen warum Frauen Schmerzmittel annehmen. ich war ungefähr sieben Zentimeter eröffnet.
Ich war dankbar für die Hilfe, die ich von Carol bekam, und das hielt mich davon ab mir über zukünftige Schmerzen Sorgen zu machen.
Ich sollte auch hinzufügen, daß ich viele Frauen kannte, die Hausgeburten hatten, und ich dachte wenn sie es können, kann ich es auch.
Am 19. Juni ermutigten mich die Hebammen Frühstück zu essen und aß etwas Toast mit Marmelade. Ich war ein bißchen nervös, aber wußte daß ich in guten Hände war und daß alles gut gehen würde.
Am Mittag aß ich etwas Suppe, und Carol gab mir ein Getränk das meine Kraft für die Geburt steigern sollte. Rick ging nach oben und schlief für eine Weile, weil er in den letzten Nächten nicht viel Schlaf bekommen hatte. Er hatte versucht es mir besonders angenehm zu machen. Da rief mich Ina May vom Flughafen an und sagte sie werde mich in zwei Stunden sehen.
Nach ihrer Ankunft kam sie sofort zu mir und sagte sie würde bleiben bis mein Baby geboren ist.
Sie ermutigte mich eine Ruhepause zu machen, so schlief ich ein wenig während Rick meine Füße massierte. Irgendwann wurde mir Übel und ich erbrach, was dazu führte, daß ich mich besser fühlte.
Die Wehen wurden stärker und intensiver und ich spürte einen brennenden Schmerz. Bei der nächsten Untersuchung war mein Muttermund acht Zentimeter eröffnet. Häufig wechselte ich die Positionen und ging unter die Dusche.
Ina May hörte wie ich während der Wehen lauter wurde und half mir mich auf tiefe und langsame Atemzüge zu konzentrieren. Mich auf die Atmung zu konzentrieren half mir mich zu entspannen, und an etwas anderes zu denken als meine Rückenschmerzen. Als sie mich wieder untersuchte, war ich auf neun Zentimeter eröffnet-ein großer Fortschritt!
Dann dachte ich müßte auf die Toilette gehen, aber begann tatsächlich das Baby herunterzuschieben. Ich ging von der Toilette zum Geburtshocke und sehr bald wurde der Kopf sichtbar. Ich fühlte daß ich mich an jemanden lehnen sollte, so saß Rick hinter mir. Ich konzentrierte mich weiter auf das langsame Atmen zwischen den Preßwehen. Die Hebammen sprachen darüber wieviel Stärke ich habe, weil ich nicht jammerte, oder gegen meine Gefühle ankämpfte. Tatsächlich, fühlte ich mich erleichtert zu pressen und genoß diesen Teil der Geburtsarbeit. Ich hätte es nicht gedacht, aber ich erinnere mich an diesen Teil als die größte Freude. Es ging rasch voran, und ich wußte, ich würde bald mein Baby sehen.
Jemand hielt einen Handspiegel und so konnte ich die Haare des Babys sehen. Der Kopf war so zusammengedrückt, daß es wirklich nicht wie ein Kopf für mich aussah. Der anstrengenste Teil war, als das Köpfchen geboren wurde. Ich fühlte einen brennenden Schmerz und mir wurde gesagt ich solle mich nicht zu sehr beeilen in dieser Phase. Für ungefähr fünfundvierzig Minuten preßte ich. Es wurde leichter nachdem das Köpfchen geboren war. Die Hand kam gleichzeitig mit dem Kopf, danach flutschte ihr Körper sanft heraus.
Sie weinte sofort, und die Hebammen legten sie auf meinen Bauch. Brianna Joy war so schön und vollkommen. Sie wog etwas mehr als 4 kilo und war in perfektem Zustand. Ich fühlte mich so erleichtert nachdem die Geburt vorüber war. Dann machte Deborah Frühstück für mich, und es fühlte sich so gut an wieder etwas zu essen. Brianna Joy war das 1937. Baby, das auf der Farm geboren wurde. Anschließend war ich zu aufgeregt und aufgewühlt, um an Schlafen zu denken.


