Jakes Geburtsmärchen

von Lorrell Friend

Die Stute Tasha hatte Probleme mit ihren Augen. Als unser Tierarzt “Doc” zur Behandlung kam, machte er einen Ultraschall meines Bauches und fragte: “Wann ist dein Entbindungstermin?” Ich sagte es ihm. Jahre von Erfahrung leuchteten in seinen Augen als er seinen Kopf hin und her wog: “Denkst du, sie wird so lange warten, Tomm?” fragte er meinen Ehemann.

Am nächsten Morgen hatten wir alles für den Weg nach Tennessee gepackt. Nach fünf Hausgeburten entschieden wir uns Jake auf der Farm zu bekommen. Ich spürte, daß Jake ein viel größeres Baby als unsere vorherigen war. Außerdem war ich ziemlich krank während des 2. Trimesters mit erkältungsähnlichen Symptomen, die ich nicht loswerden konnte.

Auf der Farm richteten sich Tomm und ich in dem Geburtshäuschen ein in der Tower Road. Wir wanderten am Natchez Frace (ein berühmter Weg). Wir sahen eine Herde Wild an der Flußbiegung in Davy Crockett State Park. Wir bestiegen den Feuerturm an der Straße nach Hohenwald. Am zweiten Absata der Metalltreppe sahen wir ein perfecktes Nest in das ein Rotkehlchen drei perfeckte blaue Eier gelegt hatte.

Diese Bewegung zahlte sich am Abend zum 30. Mai aus, als meine Fruchtblase sprang. Ich rief unsere Hebamme Deborah an, die sich für mich freute und sagte ich solle noch etwas Schlaf finden bevor die Wehen beginnen. Ich hatte Bedenken, daß ich noch keine Wehen hatte und konnte nicht schlafen. Einige Stunden später begannen die Wehen ernsthaft. In ungefähr vier Stunden hatte ich komplett eröffnet. Nun, ich kann gut drücken, aber dieses Kind war wirklich schwer herunterzubewegen. Wir machten nur kleine Fortschritte. Sein Kopf kam ganz gut heraus, aber er blieb mit den Schultern stecken. Die Hebammen beratschlagten sich und Deborah fragte, ob ich etwas neues ausprobieren möchte. Sie ließen mich auf meine Hände und Knie umdrehen. Ich war sehr froh das zu machen. Diese neue Position schien den Druck zu verändern, den ich fühlte. Mit ein wenig ausgefallener Handarbeit (es ist schön, wenn deine Hebamme sanfte Hände hat) war Jake draußen. Ein großer, wunderschöner Junge, der aber kaum atmete. Die Hebammen benutzten einen Absauger um seine Atemwege zu befreien, aber er hatte immer noch deutliche Schwierigkeiten. Margaret rief im Maury Regional Krankenhaus an, so daß diese Bescheid wußten, daß Jakes unterwegs zu ihnen ist. Deborah blieb bei mir während ich die Plazenta bekam. Pamela hielt Jack, während der Volvo auf dem Weg nach Columbia war. Sie meditierte mit ihm. Sie atmeten langsam und rhythmisch vereint, und es schien, daß ein Schluckauf oder Niesen Jake aufgeben würde.

Die Angestellten des Notfallraumes kannten Ina May und Pamela und wußten, daß die Situation ernst ist. Der Oberarzt der Klinik war eingetroffen um uns zu sehen. Er brachte die Dinge schnell in Gang, Jake wurde an ein Beatmungsgerät angeschlossen und Ampicillin und Gentamicin injiziert. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes zeigte Flüssigkeit um seinen Lungen. Der Doktor gab Tomm ein medizinisches Lexikon mit der Seite über B-Streptokokken, die 50 – 80 % Mortalität haben. Der Doktor rief dann die “Angel One” Vereinigung von Vanderbilt Universitäts Hospital in Nashville an. Jake wurde nach Vanderbilt verlegt noch bevor ich “Maury Regional” erreichte. Welch eine andere Erfahrung dies im Vergleich zu den anderen Geburten unserer Kinder war.

Als wir nach Vanderbilt kamen, war dort das “Wartespielchen”. Irgendwann erklärte Tomm einem der Doktoren, daß Jake und ich uns wirklich sehen mußten.

Jake lag in einem durchsichtigen Plastikkasten. Er war schlimm anzuschauen: Blutverspritzt und etwas gelb. Ich zögerte, doch als ich ihn berührte war dort eine Suche nach Energie zwischen uns beiden. Er stieß sich ab, als wenn er es gemerkt hätte und lag dann still.

Später fanden wir heraus, daß Jakes Krankenpfleger Andrew der Farm angehört hatte und seine Frau dort ihre Geburt hatte. Er versicherte mir ein Auge auf Jake zu werfen. Wir fuhren zur Farm zurück und fielen beide in einen tiefen Schlaf. Früh am nächsten Morgen fuhren wir auf dem “Natchez Trace” Richtung Nashville und hielten am Straßenrand wo der “Old Trace” nahe dem Parkplatz ist. Dort gingen wir unter die Bäume und beteten.

Als wir nach Vanderbilt kamen wurde uns gesagt, daß Jake in Ordnung sei. Er war nicht mehr krank. Es gab keine negative Reaktion auf die Antibiotika. Es würden noch sechs lange Tage dauern, bis er seine erste richtige Mahlzeit bekam, aber er war außer Gefahr.

Der Respekt mit denen beide Krankenhäuser Ina May, Pamela und die anderen Hebammen behandelten, machte einen unschlätzbaren Unterschied insofern, daß wir fähig waren diese schwere Erfahrung leichter durchzustehen.

Es gibt eine hohe Prozentzahl negativer Folgen wenn es zur Schulterdystokie kommt. Unsere Hebammen verursachten keine Panik. Ihre leise Kompetenz und das sinnvolle Gaskin Manöver machte Jake zu unserem Wunderbaby. Als wir endlich Jake nach Hause nehmen konnten, war er acht Tage alt. Er war sich nicht ganz sicher was von der Welt zu halten in die er geboren wurde. Er weinte, als wir ihn in seinen Autositz zwischen uns plazierten. Als wir die Straße hinunterfuhren, schob ich eine vielgehörte Raggaekassette in den Rekorder, die, die wir auf unserem Weg zur Farm gehört hatten. Bob Marleys “Comin’ in from the Cold” kam an. Plötzlich-Stille von Jakes Seite. Ein Blick von purer Erkenntnis auf seinem Gesicht, wie als wolle er sagen: “Sie haben mich gefunden.” Dann fiel er in seinen ersten, tiefen Schlaf.