Shannahs Geburt
Den Hauptanstoß unsere Gynäkologin zu verlassen, gab uns der Kurs in "Natürlicher Geburt", den wir in meiner letzten Schwangerschaftshälfte besuchten. Während dieser Unterrichtsstunden wurden wir von einigen gefährlichen Praktiken informiert, die Standartproceduren an dem Krankenhaus sind, zu dem wir gehen wollten: routinemäßige elektronische, kindliche Herztonüberwachung und intravenöse Gabe von wehenverstärkenden Mitteln. Der Kurs öffnete uns wirklich die Augen und ich realisierte bei wievielen für mich wichtigen Dingen ich Kompromisse einzugehen hätte, und alles nach dem Willen der Ärzte geht. Meine ursprüngliche Hoffnung auf eine Geburt mit Hebammen in einem ganz normalen Bett, klang besser und besser. Auf den Rat des Kursleiters versuchten wir unsere unterzeichneten Verträge und Zustimmungen die wir mit dem Krankenhaus hatten, zu ändern. Wir ahnten kaum, welch einen Aufstand dies verursachen würde.
Schon am nächsten Tag würde ich soweit sein mit der ganzen medizinischen Welt zu brechen. Wir hatten einem Termin mit einen unserer Gynäkologen, der vom Krankenhaus gehört hatte, daß wir unsere Verträge ändern wollten. Ich kann sicher sagen: Er war grob beleidigend. Seine vaginale Untersuchung war fühlbar gröber, und er verbrachte danach 45 min. mich zu unterrichten, wie wichtig das Vertrauensverhältnis zwischen Doktor und Patientin sei.
Mit Tränen in den Augen versuchte ich ihm unsere Gefühle nahezubringen, aber ich glaube es kam nicht bei ihm an. Als ich nach Hause kam, wußte ich, wenn in der kommenden Nacht die Geburt beginnen würde, ginge ich zur Farm! Trotzallem dachten mein Mann Jim und ich, es wäre sicherer unsere Gynnäkologen "für den Notfall" beizubehalten. Aber beim nächsten, und letzten Besuch bei dem Gynäkologen, begann der Doktor von Kaiserschnitt zu reden, weil ich ja über dem Termin war.
Wie konnte ich übertragen, wenn mein eigentlicher Entbindungstermin noch nicht einmal erreicht war!?
Das brachte uns sehr aus der Fassung, und nachdem wir eine Kaiserschnitt-Vorbeugungs-Hotline, anriefen, entschieden wir uns entgültig den Kontakt zu brechen. Wir ließen uns meine Befunde zur Farm schicken und wollten nie mehr von ihnen hören. Wir verließen Alabama in der Nacht in der meine Wehen begannen und machten uns auf den Weg zur Farm.
Als wir ankamen regnete es stark, sowie die ganze Nacht. Meine Hebammen Joanne und Deborah rieten mir noch etwas zu schlafen, um Kraft für die Gerburt zu sammeln. Ich versuchte zu schlafen, aber die Wehen machten es mir micht einfach. Sie waren alle 2 Minuten, und ich versuchte so sehr zu entspannen, daß sie sogar schlimmer wurden. Schließlich realisierte ich, was ich tat und daß ich zwischen den Wehen schlafen könnte, obwohl Schlaf im zwei Minuten Intervall nicht sehr erholsam für mich erschienen. Ich machte die Atem- und Entspannungsübungens die ich gerlernt hatte. Es war hilfreich, aber trotzdem spürte ich noch Schmerzen, die ich nicht erwartet hatte.
Ich dachte, daß die Atem- und Entspannungsübungen den Schmerz eindern, oder ihn auf einem Minimum halten würden, aber das gilt nicht für jeden gleich.
Während mein Bewußtsein immer wieder halb da war und wieder verschwand, beobachtete ich, wie der Morgen kam. Jim und meine Hebamme wachten auf und stellten alles bereit. Joanne hatte meinen Muttermund einige Male in der Nacht untersucht und untersuchte mich als erstes an diesem Morgen. Ich war etwas entmutigt, da ich immer nur 4 cm Muttermundsweite von 22:00 Uhr bis 10:00 Uhr morgens hatte. Joanne untersuchte mich und sagte, daß ich 5 cm habe. Nicht lang danach war ich fast vollständig eröffnet, und Joanne eröffnete meine Fruchtblase.
Sehr bald danach wurden meine Kontraktionen stärker. Die Phase die ich gerade begann nennt sich Übergangsphase und wenn Du das jemals erlebt hast, weißt Du, was das bedeutet. Ich fühlte mich wie in einer andern Welt, vollkommen nicht mehr verbunden mit der hiesigen Welt.
Die Welt in der ich mich befand, nannte sich "Wehen", und mein einziger Sinn dieses Lebens war Geburt.
Es war eine Zeit schwerer Konzentration und ich fühlte mich ziemlich wackelig. Jim und meine Hebammen waren eine sehr gute Unterstützung für mich, dennoch konnte ich ihnen nicht in die Augen schauen. Ich hatte Angst, daß sie besorgte Blicke haben! Doch endlich schaute ich in Jims Augen und sah, daß sie kein bißchen besorgt waren, sie strahlten Ruhe aus. Ich konnte mich nicht konzentrieren mich umzudrehen und meine Hebammen anzuschauen-die Wehen waren zu regelmäßig und intensiv-aber ich konnte Joanne fühlen, wie sie meinen Fuß bei jedem Wehenhöhepunkt drückte und mich wissen ließ, daß sie zu mir steht. Währendessen arbeiteten meine Gebärmutter und mein Baby schwer für die Geburt. Mein Zeichen für den Beginn einer Wehe war Shannahs Fuß, der sich oben in meine Gebärmutter stimmte, ihr Köpfchen, daß sich auf der Zervix hin und her bewegte, und wie sich die Uterusmuskeln Stück für Stück zusammenzogen-wie eine Hand, die sich zur Faust schließt-verschwand die Kontraktion Stück für Stück wieder auf dem selben Weg.
Endlich untersuchte Joanne meine Muttermundsweite wieder und zu meiner großen Erleichterung war er vollständig eröffnet. "Du hast die Übergangsphase wunderschön überstanden," sagte mir Joanne. "Oh, war das die Übergangsphase!" fragte ich. Das zeigte wie sehr ich in einer anderen Welt war.
Da war ich nun, halb an Jims Brust gelehnt und wirklich bereit beim Drücken alles zu geben. Ich fand das ist der gute Teil! Und das war es auch. Drücken ist harte Arbeit. Verstehe mich nicht falsch: es war lohnend und erfüllend-ach ich kann es nicht erklären. Es schien langsam zu gehen bis der Kopf stieg und ich mußte mich so sehr konzentrieren, daß ich nicht einmal in den Spiegel schauen konnte, den Deborah mir hinhielt. Nach dem Steigen des Kopfes nur noch ein bißchen mehr D-E-H-N-U-N-G und drücken und Shannahs Kopf war geboren.
Nachdem Shannahs Kopf geboren war, kam auch der Rest mit nur einmal Drücken, und da war sie in ihrer ganzen Pracht! Natürlich konnten wir sie sofort halten. Ich fühlte die Erfüllung, das Wunder, die seelische Erregung und Erleichterung.